#145 Wilde Hölle - Winterstein - Wildenstein
Wanderungen
#145
18.01.2026
Winter zwischen Eis und Licht
Wilde Hölle - Weg zur Wildnis - Kleiner Winterberg - Neuer Wildenstein

Kurz & kompakt
Region: Sächsische Schweiz
Start / Ziel: Wanderparkplatz Nasser Grund
Höhenmeter: ca. +550m / -550m
Gehzeit: ca. 5-6 Stunden
Schwierigkeit: mittel - schwer (im Winter anspruchsvoll)
Ausrüstung: festes Schuhwerk, Trittsicherheit, im Winter ggf. Grödel
Wege: Stiegen, schmale Pfade, Schluchten Forstwege
Einkehr: Berggasthaus Kuhstall
Der Morgen beginnt still...
und einsam am Wanderparkplatz Nasser Grund, nur ein, zwei Autos parken schon um 9:00 Uhr hier. Der Parkplatz ist gebührenpflichtig - 5,- € für das Tagesticket. Heute funktioniert er allerdings nicht.
Die Luft ist frostig und die Wege noch vereist - Vorsicht ist geboten. Die ersten Meter im Nassen Grund sind geprägt von den eisigen Skulpturen aus Wasser die bizarr von den Felsen hinab wachsen. Nach wenigen hundert Metern biegen wir ein in die Eulentilke. Es geht gemächlich bergauf durch den Wald und wir sind allein unterwegs. Genau diese Ruhe lieben wir an Winterwanderungen in der Sächsischen Schweiz – sie fühlt sich ursprünglicher an, rauer und ehrlicher.
Am Ende der Eulentilke überqueren wir die Untere Affensteinpromenade und tauchen ich tiefer in den Wald ein - hier beginnt der Aufstieg über die Wilde Hölle zum Carolafelsen und Reitsteig. Der Charakter der Tour wird sich nun spürbar ändern, den die Felsen kommen näher.
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Vereister Aufstieg durch die Wilde Hölle
Der Einstieg in die Wilde Hölle ist unscheinbar – doch schnell wird klar, warum dieser Abschnitt im Winter besonderen Respekt verlangt.
Ein paar Sandsteintufen hinauf und man steht im Kessel der Felsen. Nur schmale Stufen führen weiter die Felsen hinauf, bevor es dann heikel wird.
Der Sandstein und die Eisenklammer, welche dem Abgrund entlang führen sind teilweise komplett vereist. Das Spiel zwischen Eis und Licht malt eine bizarre Felsenwelt, die Schlucht liegt fast durchgehend im Schatten und es ist eisig hier.
Wir gehen langsam, Schritt für Schritt, setze die Füße bewusst um Trittsicherheit zuhaben - Grödel wären jetzt die beste Option und eine Empfehlung, für alle die diese Tour unter diesen Bedingungen nachwandern wollen.
Auch unter normalen Bedingungen ist es kein Weg für Eile, sondern für Aufmerksamkeit. Gleichzeitig fasziniert uns immer wieder diese wilde, ursprüngliche Atmosphäre der Felsen, die vor Millionen von Jahren aus Meeresboden entstanden. Das Eis glitzert an den Felsen, die steil empor ragen und außer dem eigenen Atem ist kaum ein Geräusch zu hören.
Nach dem Abzweig zum Carolafelsen, den wir uns heute ersparen, geht es weiter auf dem Reitsteig. Oben
angekommen öffnet sich die Landschaft plötzlich. An der Fluchtwand
bleiben wir stehen und lasse den Blick schweifen. In der Ferne erkenne ich den
markanten Zirkelstein, daneben die wuchtigen Zschirnsteine, dahinter erhebt sich in der Ferne der Hohe Schneeberg auf böhmischer Seite.
Der Wind ist
eisig, fast schneidend, kein Platz um länger zu verweilen - heute.
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Auf dem Weg zur Wildnis
Auf dem Reitsteig Richtung Kleiner Winterberg, dort wo es etwas windgeschützter war, machten wir eine Rast mit heißen Tee und etwas Stärkendem . Dann erreichen wir den "Weg zur Wildnis", eine Dokumentation über die Stärke der Natur.
"Brände, Schädlinge, Stürme, Lawinen, Trockenheit: Immer wieder werden Wälder von Katastrophen heimgesucht. Und immer wieder erholen sie sich.
Der naturkundliche Lehrpfad „Weg zur Wildnis“ zwischen Großem Winterberg und Schrammsteinen erzählt von den erstaunlichen Selbstheilungskräften der Natur" Quelle: (ELB)SANDSTEIN-BLOG
Umgestürzte Bäume bleiben liegen, die Natur regelt hier alles selbst. Es gibt zwei Teile des Pfades, der eine beschäftigt sich mit dem Borkenkäfer, der dem Wald großen Schaden zugefügt hat und nun so langsam durch die Natur der Waldumbau beginnt und der zweite Teil ist dem Entwicklung des Waldes nach dem Waldbrand von 2022 gewidmet. Über Holzstege gelangt man zu den Schautafeln oder Guckkästen, auch Zeittafeln zeigen die Entwickeln des Waldes.
Am Kleinen
Winterberg wechseln sich schattige, frostige Abschnitte mit sonnigen
Passagen ab. Hier am Unteren Fremdenweg blicken wir in die Ferne zum Winterstein (Hinteres Raubschloss), den Lorenzsteinen und in die Hintere Sächsische Schweiz. Gleich neben dem Aussichtspunkt erhebt sich aus der Tiefe die mächtige Sammlerwand.
Wir blicken hinauf zum Pavillon und hinüber zu den Winterbergspitzen. Nun geht es steil bergab, die Stufen sind so vereist, das wir uns den Weg daneben nach unter bahnten. Dabei entdeckten wir einen alten Weg, der wohl früher als Aufstieg diente. Nun ging es über den Fremdenweg Richtung Neuen Wildenstein.
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Durch die Schlucht auf den Neuen Wildenstein
Der Aufstieg
auf den Neuer Wildenstein führt erneut durch eine enge, dunkle Schlucht. Allerdings ist hier kein Eis, kein Schnee, denn die Felswände rücken nah zusammen, Feuchtigkeit liegt in der Luft, das Licht ist gedimmt und es ist spürbar kälter als auf den offenen Höhen. - zauberhaft mystisch. Zur richtigen Zeit schickt die Sonne ihre Strahlen durch den engen Felsengang - für Fotografen ein guter Spot für einen tollen Sonnenstern.
Am Ende der Treppen wartet das größte Felsentor der Sächsischen Schweiz auf uns - der Kuhstall. Das imposante Felsentor, welches seinen Namen entweder aus dem dem Mittelalter hat, als auf der Burg, die oberhalb des Kuhstalls lag und später als Raubritternest genutzt wurde, diese hier ihr Beute versteckten. Eine weitere Möglichkeit der Namensgebung kommt aus dem 30jährigen Krieg, als die Bewohner des Kirnitzschtals hier ihr Vieh vor den schwedischen Soldaten versteckten.
Das Felsentor ist ca. 17 Meter breit, 11 Meter hoch und 24 Meter tief und bietet einen fantastischen Blick in die Sächsische Schweiz. Wer noch eine 360° Panoramasicht haben möchte, steigt eine Etage höher zur ehemaligen Raubritterburg. Der Weg für durch den Fels über die sogenannte Himmelsleiter. Diese Felsspalte ist sehr eng, manchmal nur Schulterbreit - aber der Aufstieg lohnt sich.
Wir zogen es heute vor, uns im Bergasthaus Kuhstall eine Pause zu gönnen. Heiße Getränke, ein geschützter Platz und das zufriedene Gefühl, unterwegs zu sein – mehr braucht es gerade nicht. Die Speisen sind lecker und preiswert. Das Personal ist freundlich und wer möchte geht in den urigen Gastraum. Die Toiletten sind top.
Weiter geht es auf den letzten Teil.
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Abstieg ins Kirnitzschtal
Der Abstieg führt uns auf der Kuhstallstraße, später Kuhstallweg hinunter ins Kirnitzschtal zum Lichtenhainer Wasserfall. Teile des Wassers sind gefroren, stark vereist und Eiszapfen hängen an den Felsen – ein stilles, winterliches Schauspiel. Immer wieder kommen uns hier Menschen entgegen, die nur mit Turnschuhen und Jeans unterwegs sind - dabei hatten wir schon ein schlechtes Gewissen das unsere Ausrüstung nicht ausreichend für diese Bedingungen ist.
Die Gaststätte hatte geschlossen, dennoch versammelten sich einige Menschen dort um einen Blick auf den teilweise vereisten Wasserfall zu werfen. Der Lichtenhainer Wasserfall ist ein künstlich angelegter Wasserfall. Im Jahr 1830 wurde der kleine Fall des Dorfbaches zur Steigerung seiner touristischen Attraktivität erhöht und durch ein aufziehbares Stauwehr ergänzt. Einem Lichtenhainer Bürger wurde das verpachtbare Amt des „Wasserfallziehers“ übertragen. Dieser unterhielt einen Ausschank und hat gegen Geld den Touristen für ein paar Minuten die Stauanlage geöffnet. Das Gaststättengebäude in Fachwerk stammt von 1852.
Hier ist auch die Endhaltestelle der Kirnitzschtalbahn. Wer will kann die Runde auch von Bad Schandau aus starten und mit der historischen Straßenbahn zum Startpunkt Nasser Grund und dann am Ende mit ihr wieder zurück fahren.
Für uns ging es auf der Kirnitzschtalstraße per Fuß zurück zum Parkplatz.
Unser Fazit
Diese Tour war kein Spaziergang – aber genau das macht sie so besonders.
Eisige Schluchten, weite Ausblicke, stille Waldwege und immer wieder wärmende Sonnenstrahlen haben diese Winterwanderung zu einem intensiven Erlebnis gemacht.
Die Sächsische Schweiz zeigt sich im Winter von einer rauen, ehrlichen Seite – und genau dafür kommen wir immer wieder zurück.
Eisige Schluchten, weite Ausblicke, stille Waldwege und immer wieder wärmende Sonnenstrahlen haben diese Winterwanderung zu einem intensiven Erlebnis gemacht.
Die Sächsische Schweiz zeigt sich im Winter von einer rauen, ehrlichen Seite – und genau dafür kommen wir immer wieder zurück.
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