#149 Johanngeorgenstadt - Heinricher Felsgebiet - Horny Blatna - Plattenberg - Schwarwassertal
Wanderungen
#149
26.04.2026
Zwischen Granit, Geistern und
Bergbau
Große Rundwanderung: Johanngeorgenstadt – Heinricher
Felsen – Plattenberg – Schwarzwassertal

Kurz & kompakt
Start/Ziel: Johanngeorgenstadt / Parkplatz Cafe am Herrenhaus
Region: Erzgebirge (Deutschland / Tschechische Republik)
Länge: ca. 15,5 km
Höhenmeter aufwärts: ca. 380m
Dauer: ca. 5 Stunden
Schwierigkeit: Mittel (lange Strecke: konditionell fordernd)
Beste Jahreszeit: Frühjahr bis Herbst
Einkehrmöglichkeiten:
Bistro U Strašidel, Horny Blatna am Sportplatz - Plattenberg Kiosk am Aussichtsturm, - Bistro Pila-Brettmühle (Schwarzwassertal)
Länge: ca. 15,5 km
Höhenmeter aufwärts: ca. 380m
Dauer: ca. 5 Stunden
Schwierigkeit: Mittel (lange Strecke: konditionell fordernd)
Beste Jahreszeit: Frühjahr bis Herbst
Einkehrmöglichkeiten:
Bistro U Strašidel, Horny Blatna am Sportplatz - Plattenberg Kiosk am Aussichtsturm, - Bistro Pila-Brettmühle (Schwarzwassertal)
Start an der Grenze bei Johanngeorgenstadt
Geparkt haben wir auf dem Parkplatz Cafe am Herrenhaus, ca. 20m von der Grenze - Tagesticket kostet 6,-€ auch über App easypark mögl. (zzgl. Bearbeitungsgebühr. Ein kleines Stück durch den Markt in Potucky und dann raus aus der Zivilisation. Denn verlässt man die letzten Häuser von Potucky, verändert sich die Stimmung schlagartig. Das Erzgebirge zeigt hier seine raue, ursprüngliche Seite: dichte Fichtenwälder, kühle Luft und eine fast nordische Ruhe.
Der Weg führt tief hinein in ausgedehnte Nadelwälder. Dass hier vor allem Fichten stehen, ist kein Zufall:
Im Erzgebirge wurde der Wald über Jahrhunderte intensiv vom Bergbau und Hüttenwesen genutzt, und Fichten wachsen schnell nach, daher wurden sie gezielt aufgeforstet. Was auf den ersten Blick eintönig wirkt, hat seinen eigenen Reiz:
das gleichmäßige Licht, der weiche Boden, der Geruch von Harz. An stillen Tagen wirkt dieser Wald fast zeitlos.
das gleichmäßige Licht, der weiche Boden, der Geruch von Harz. An stillen Tagen wirkt dieser Wald fast zeitlos.
Das geheimnisvolle Felslabyrinth der Heinricher Felsen
Mitten im Wald tauchen plötzlich bizarre Granitformationen auf – Na Strasidlech (die Heinricher Felsen).
Sie wirken fast wie zufällig verstreut, sind aber das Ergebnis von Millionen Jahren geologischer Prozesse, den das Erzgebirge besteht zu großen Teilen aus Granit.
Durch Verwitterung und Temperaturwechsel zerbrach das Gestein in Blöcke, Wind, Wasser und Frost modellierten daraus die heutigen Formen.
Die einzelnen Felsen tragen klangvolle Namen wie Okno (Fenster) – mit natürlicher Durchblick im Gestein, Strasidlo (Geisterfels) mit seiner bizarren Form, Slunecni (Sonnefels) oder Boruvci (Heidelbeerfels). Von jedem dieser Kletterfelsen hat man einen weiten Blick in den Miriquidi (Dunkel- bzw. Finsterwald) und meint das Erzgebirge.
Solche Orte waren früher oft sagenumwoben – Grenzregionen, dichter Wald und ungewöhnliche Formen haben die Fantasie der Menschen beflügelt.
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Auf den Spuren des Bergbaus: Aufstieg zum Plattenberg
Der Weg durch Horní Blatná führt direkt hinein in eines der historisch bedeutendsten Bergbaugebiete Europas. Über einen gepflasterten Weg geht hinauf auf den Plattenberg.
Beim Aufstieg passieren wir zuerst die Wolfspinge. Pingen sind trichterförmige Vertiefungen. Sie entstehen, wenn alte Stollen einbrechen – ein sichtbares Erbe des Bergbaus. Die Entwässerung und die Belüftung bestimmen die Tiefe des Abbaus, im 16. Jahrhundert wurden 25 Meter erreicht, im 18. Jahrhundert dann 85 Meter. Man kann deutlich noch alte Stollen und Gänge erkennen. Hier wurde über Jahrhunderte hinweg Zinn gefördert, später auch Uran. Das Erzgebirge ist eine der ältesten Montanregionen Europas und heute Teil des UNESCO-Welterbes.
Die Eispinge (ca. 150 m lang) ist sehr eng (--1,5 m) und tief (20 m). Die zugrundeliegende Naturerscheinung ist folgende: Im Felsspalt findet nur ein äußerst geringer Luftaustausch mit der (im Sommer wärmeren) Umgebung statt, wodurch die Kaltluft im Spalt zurückgehalten wird. Dabei bildet sich in 5 bis 10 Metern Tiefe oft auch eine Nebelschicht. Am Ende des Winters hat der angesammelte Schnee eine Mächtigkeit von etwa 1,5 Metern erreicht. Der ab dem Frühjahr einsetzende Schmelzvorgang durch Wärmeübertragung aus dem umgebenden Gestein – die Jahresmitteltemperatur des Gesteins liegt bei etwa 4 °C – lässt Eis entstehen und ist noch nicht beendet, wenn sich ab Herbst bereits der erste Schnee neu anlagert.
Der Zugang war heute verschlossen.
Gipfelglück am Plattenberg - Aussichtsturm
Der Gipfel des Plattenbergs (tschechisch Blatenský vrch) ist 1043 m ü. NHN ein perfekter Aussichtspunkt. Vom Turm soll man einen weiten Blick über die Wälder des Erzgebirges und bis tief nach Böhmen haben, so könnten man nach Nordwesten Johanngeorgenstadt und zum Auersberg, im Norden Breitenbrunn und Rittersgrün, im Nordosten zum Pöhlberg und zum Fichtelberg und im Osten den Klínovec (Keilberg) erblicken - wenn man den hinaufsteigt.
Hier oben wird aber auch klar: Das Erzgebirge ist kein spektakuläres Hochgebirge – aber ein endlos wirkendes, sanftes Wellenmeer aus Wald.
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Wilder Abstieg & verlorene Orte
Der Abstieg
führt bewusst nicht auf dem Hauptweg, sondern auf einem schmalen,
naturbelassenen Pfad mit felsigem Untergrund. Unterwegs quert der Plattner Kunstgraben unseren Weg, ein hervorragendes Beispiel für das technische Geschick der Wasserwirtschaftler des 16. Jahrhunderts. Er ist die längste bergbauliche Wasserzuführung im tschechischen Teil des Erzgebirges. In den Jahren 1540 bis 1544 errichtet, stellte er bis ins 19. Jahrhundert hinein auf einer Länge von 13 km das Aufschlagwasser für Dutzende von Gruben- und Aufbereitungsbetrieben von Boží Dar (Gottesgab) bis Horní Blatná (Bergstadt Platten) sicher. Der Graben ist bis zu zwei Meter breit und bis zu einem Meter tief. Sein Wasserbett wurde durch eine Holzverschalung befestigt.
Am Wegesrand finden sich Hinweise auf Luhy
(Jungenhengst). Luhy ist ein
typisches Beispiel für verschwundene Siedlungen. Viele Orte in Grenznähe wurden
nach dem Zweiten Weltkrieg aufgegeben oder zerstört. Heute erinnern oft nur
noch Grundmauern, einzelne Gebäude oder verwilderte Flächen an diese Siedlungen.
Entlang der Schwarze Pockau – Natur
& Industriegeschichte
Im Tal erreichen wir die Schwarze Pockau (Cerna) – einen der ursprünglichsten Flüsse der Region mit seinem wilden Wasserlauf.
Der auch im Volksmund "Schwarzwasser" benannte Fluss hat seinen Namen von der Färbung des Wassers, den dunklen Moorwassers, das aus den Hochmooren im böhmischen Grenzgebiet in den Fluss fließt. Die
huminsäurereiche, bräunlich-schwarze Färbung entsteht durch den Abbau von
Pflanzenresten in den Mooren.
Entlang des Flusses wandern wir auf einer Straße, und können immer wieder zum Fluß um den wilden Wasserlauf zu genießen. Auch lässt sich wieder geschichtliches Erleben. Wir finden einen Zugang zu einem alten Stollen, der Podleská štola mine und die Grundmauern einer Säge- und
Papiermühle mit Wehr.
An der ehemaligen Siedlung Pila (Brettmühl) mit dem ehemaligen Freibad, was heute zu einem Teich transformiert wurde, kann man herrlich einkehren. Das Bistro Pila-Brettmühl
bietet herzhaftes, süße, kalte und warme Getränke. Mit den vielen Sitzgelegenheiten ein schöner Ort zum chillen.
Von hier folgt der letzte Abschnitt über Potucky (Breitenbach) zurück zum Ausgangspunkt.<
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Fazit: Eine Tour mit Tiefe
Nach etwa 5
Stunden schließt sich der Kreis. Was diese
Wanderung besonders macht:
- stille, dichte Wälder
- geologisch spannende Felsen
- sichtbare Bergbaugeschichte
- Spuren verschwundener Orte
- idyllisches Tal mit wilden Fluss
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