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#155 Caltabellotta - Felsenbummler.de

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#155 Caltabellotta

Wanderungen
#155
17.05.2026

Caltabellotta

Auf den Spuren der Geschichte über den Dächern Siziliens.

Manche Orte erschließen sich nicht auf den ersten Blick –
Caltabellotta hingegen beeindruckt bereits in dem Moment, in dem man die letzten Serpentinen hinauffährt.
Wie ein Adlerhorst klammert sich das historische Bergdorf auf rund 950 Metern Höhe an einen gewaltigen Felsrücken.
Hier beginnt unsere Wanderung, an einem für uns spektakulärsten Ort in Siziliens Westen, der touristisch nicht überlaufen ist.
Fantastischer Auftakt am Gipfelkreuz

Unser Startpunkt ist das Gipfelkreuz oberhalb des Ortes. Schon nach wenigen Schritten wird klar, warum dieser Platz zu den schönsten Aussichtspunkten Siziliens zählt. Caltabellotta zählt zu den höchstgelegenen Orten der Provinz Agrigent und ist seit Jahrhunderten für seine strategische Lage bekannt.Der Blick schweift in alle Richtungen und eröffnet ein überwältigendes 360°-Panorama.
Direkt unter uns liegt das verwinkelte Häusermeer von Caltabellotta mit seinen hellen Natursteinfassaden. Auf einem benachbarten Felsplateau erhebt sich das ehemalige Kloster San Benedetto, das sich harmonisch in die raue Felslandschaft einfügt. Gegenüber auf einem Fels, ähnlich dem Zuckerhut thronen die eindrucksvollen Ruinen des Castello del Conte Luna, das über Jahrhunderte als uneinnehmbare Festung galt und noch heute die bewegte Geschichte des Ortes erzählt. Weiter schweift der Blick nach links über die weite Ebene des Belice-Tals hinweg bis zum türkisblauen Mittelmeer. Mit diesen Eindrücken starten wir unsere kleine Wanderung. Zuerst geht es zum Kloster San Pellegrino, das im 18. Jahrhundert erweitert wurde. Es steht auf einem original normannischen Fundament, das auf den Überresten einer arabischen Festung an der Stelle errichtet wurde, an der die Legende vom Triumph des heiligen Bischofs über den verschlingenden Drachen erzählt wurde.
Castello del Conte Luna

Vom Kloster aus führt eigentlich ein schöner Wanderweg hinüber zum Fels mit der Burganlagen, dieser war heute leider gesperrt, so dass wir den Umweg über die Straße (Via S. Pellegrino) hinter dem Felsmassiv nehmen mussten. Dann kurz unterhalb der Chiesa di San Salvatore beginnt der Aufstieg. Das Castello del Conte Luna gehört zu den bedeutendsten historischen Bauwerken der Region. Die normannische Festung entstand auf den Fundamenten einer älteren arabischen Befestigung und spielte eine wichtige Rolle in der mittelalterlichen Geschichte Siziliens. 1194 flüchteten Königin Sibyl, ihre Töchter und ihr Sohn Wilhelm III., der letzte normannische König von Sizilien, in diese Burgfestung, aber Heinrich VI. von Schwaben eroberte sie durch Betrug und nahm widerrechtliche die Macht an sich. Heute sind zwar nur noch Teile der Mauern erhalten, doch gerade diese Ruinen verleihen dem Ort seinen ganz besonderen Reiz. Zwischen den alten Steinmauern fühlt man sich in längst vergangene Zeiten zurückversetzt.

Von hier oben schweift der Blick über die Dächer von Caltobellotta und eröffnet völlig neue Perspektiven. Da nicht viele Menschen hier her kommen, waren wir auch ganz allein auf dem Fels und genossen neben der fantastischen Aussicht auch die Stille.


Durch die historische Altstadt

Von der Burg führt unser Weg vorbei an der Chiesa di San Salvatore direkt in die historische Altstadt. Enge, verwinkelte Gassen ziehen sich zwischen uralten Natursteinhäusern hindurch. Immer wieder öffnen sich kleine Plätze und es gibt viele kleine Kirche zu sehen, wie die Chiesa Carmine oder die Chiesa Sant'Agostino. Blumen schmücken Balkone, alte Holztüren erzählen von vergangenen Jahrhunderten und in genau so eine lockt mich ein älterer Herr. Innen ist der Raum rustikal eingerichtet, Tisch, Stühle und Regale aus altem Holz, die Mauern unverputzt im charmanten grau. Auf dem Tisch ein Teller, ein Schneidbrett und darauf ein Baguettebrot, der ältere Herr sagt: Provale, assaggialo! und meint damit sein Olivenöl. Es schmeckt köstlich und er erklärt mir, dass es aus biologischen Anbau hier aus der Nähe des Ortes ist. Ich sag ihm, das wir mit dem Flugzeug da sind und eine große Flasche unvorteilhaft ist - aber auch dafür hat er eine Lösung: Bottiglietta (eine kleine Flasche). Und so kaufe ich eine kleine Flasche Olivenöl in diesem wunderschönen Ort von diesem netten älteren Herren. Draussen mach ich noch ein Foto und der Herr guckt zufrieden und glücklich aus seinem Geschäft.

In der Bar Randazzo machen wir Pranzo - un tramezzino, un dolce, un espresso doppio e un un aqua di naturale - mehr braucht es nicht und das alles mit viel italienischer Freundlichkeit und für einen schmalen Taler.

Treppen verbinden die verschiedenen Ebenen des steil angelegten Ortes. Hinter nahezu jeder Ecke eröffnet sich ein neuer Blick über die Dächer oder hinaus in die umliegenden Landschaft. Anders als in vielen touristischen Städten wirkt Caltabellotta angenehm authentisch. Hier scheint die Zeit deutlich langsamer zu vergehen.
Unser Fazit

Caltabellotta blickt auf eine außergewöhnlich lange Geschichte zurück. Bereits in der Antike befand sich hier die bedeutende Siedlung Triokala.
Später hinterließen Araber, Normannen und Spanier ihre Spuren.
Internationale Bekanntheit erlangte der Ort durch den Frieden von Caltabellotta, der im Jahr 1302 den langen Konflikt um Sizilien beendete.

Schon Goethe erwähnte die „wunderliche Felsenlage von Calata Bellotta!“ in seiner Italienischen Reise.
Caltabelotta verbindet spektakuläre Ausblicke mit einer beeindruckenden Zeitreise durch über zweitausend Jahre Geschichte.
Der grandiose Rundumblick vom Gipfelkreuz und vom Castello del Conte Luna, das malerisch gelegene Kloster San Benedetto und die verwinkelten Gassen der historischen Altstadt machen es zu einem echten Geheimtipp im Südwesten Siziliens.

Wer ursprüngliche Orte liebt, Geschichte erleben möchte und spektakuläre Panoramen schätzt, wird von diesem Ort begeistert sein.
Caltabellotta zeigt Sizilien von seiner ruhigen, authentischen und zugleich majestätischen Seite – ein Ort, der lange in Erinnerung bleibt.
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